Jun 21, 2018

Für Viele der Roman diesen Herbstes, für Manche sogar der Roman unserer Epoche.” Mit diesen Worten leitete Denis Scheck am 05.10.14 in der ARD Sendung „druckfrisch” sein Interview mit dem Autor Dave Eggers und dem Informatiker, Künstler, Musiker, Komponist, Autor und Unternehmer Jaron Lanier ein.

Kritik an Facebook, Google, Apple und Co verpackt in einer spannenden Geschichte?

Die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh sieht in Dave Eggers’ Roman Der Circle über die totale Überwachung einen „großen, wichtigen Beitrag“ zu einer gesellschaftlichen Debatte.

Die Story lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: Mit ihrem neuen Job beim dem Circle, einem weltweit agierenden Internet-Konzern und unterstützt von ihrer Freundin Annie wird Mae ganz schnell eine Vorzeige Mitarbeiterin des Konzerns. Das Ziel des Circle ist es, die gesamte Bevölkerung mit jeweils einer einzigen Internet Identität auszustatten um damit allumfassende soziale Kontrolle über jedes Individuums zu erlangen. Den im Konzern entstehenden Gruppenzwang antizipiert Mae schnell und mit der daraus folgenden Ächtung aller Andersdenkenden geht ein schleichender Verlust jeglicher ihrer eigenen Privatrechte einher. Je mehr Mae die vollständige Transparenz lebt, desto mehr verliert sie zusehends Ihre eigene Identität. Wenn man so will: Orwells 1984 reloaded.

Das alles wird wie an einer stramm gezogenen Schnur erzählt, ohne Wendungen, ohne dass man etwas mehr über die anderen Figuren erfährt. Da hätte ich mir mehr Wendungen und Windungen, mehr „Circle“ gewünscht.

Die Story hat der Autor auf 560 Seiten verteilt. Das Spannende sucht man in diesen 560 Seiten aber leider vergebens. Der Cirlce langweilt mit jeder Seite mehr. Die Geschichte ist banal, eindimensional ohne echte Überraschungen. Die Figuren sind blass, die Handlung reichlich konstruiert und schnell vorhersehbar. Ein bischen Sex dazu als Garnitur und fertig ist der „Roman unserer Epoche”, der sich anfühlt wie von einem Autor mit großem Ergeiz aber mäßigem Talent.

Inhaltlich ist der Hype um diesen Roman gerade noch nachvollziehbar, auch wenn hier kaum neue Aspekte und überraschende Tatsachen dazu beigetragen werden, literarisch in keinster Weise. Hier wird ein aktuelles und durchaus existenzielles Thema völlig banal vertan.
Ist es ein gutes Buch?

Diese Frage lässt sich ohne Wenn und Aber beantworten: Nein, es ist kein gutes Buch. Der Circle ist sogar ein in besonders offensichtlicher Weise schlechter Roman. Schreibt Ijoma Mangold auf Zeit online.

Dem schließe ich mich voll und ganz an. Ich habe dann nach 230 Seiten aufgegeben. Ein Buch, eigentlich so banal wie die dazugehörige Webseite des deutschen Verlages Kiepenheuer & Witch von Der Circle.

Michael Sprengart

Dave Eggers: Der Circle, aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014, ISBN 978-3-462-04675-5